Sisters of Swing - Die Geschichte der Andrews Sisters

Revue, Musical, Drama, Komödie

Musikdramaturg Lothar Krause im Gespräch mit dem Regisseur Karsten Jesgarz

 

Krause: Worum geht es in „Sisters of Swing“?

Jesgarz: Das Stück erzählt die Lebens-, Leidens- und Erfolgsgeschichte der drei Schwestern LaVerne, Maxene und Patty Andrews - Töchter eines griechischen Einwanderers, der seine Frau, eine Norwegerin, in Amerika kennenlernte. „Sisters of Swing“ ist die Geschichte dieser drei Schwestern von ihrer frühen Jugend an, über ihre wachsenden Erfolge zur wohl erfolgreichsten US-amerikanischen Girlgroup. Wir haben es hier mit drei jungen Mädchen zu tun, die auf dem Weg sind, eine riesengroße Karriere zu machen, was sie aber am Anfang noch gar nicht wissen. Die Karriere beginnt eigentlich mit ihrem allergrößten Song „Bei mir bist du schön“, der aus einem jüdischen Musical stammt. Die Geschichte, die wir auf der Bühne bringen, endet mit dem Tod der ältesten Schwester LaVerne. Im Alter von 65 Jahren erliegt sie 1967 einem Krebsleiden.

Krause: In nur knapp zweieinhalb Stunden erlebt das Publikum eine Reise durch mehr als 40 Jahre. Wie machen die Autoren das?

Jesgarz: In teilweise sehr kurzen Szenen schildern die Autoren wichtige Episoden aus dem Leben der drei Schwestern. Das passiert alles in der Rückblende; beginnend in der Kindheit beziehungsweise frühen Jugend. Die Autoren schildern in diesen kurzen Sequenzen - fast Schlaglichter - wegweisende Episoden der „Andrews Sisters“. Und sie beschreiben auf ihrer Reise durch das Stück eben auch die Reise der Andrews Sisters durch ganz Amerika. Dadurch ergeben sich sehr schnelle Ortswechsel und Zeitsprünge, rasche Wechsel der Szenen, die sehr eng mit den legendären Songs der Schwestern verzahnt sind. Sobald eine Musiknummer vorbei ist, sind wir schon wieder in einer neuen Szene. Diese Verzahnungen sind relativ kompliziert, aber es funktioniert toll!

Krause: Minneapolis, Kalifornien, New York, Italien, und und und… Und das dann auch noch über diese große Zeitspanne. Wie gehen Sie damit auf der Bühne um?

Jesgarz: Auf der Bühne erzählen wir die Szenen- und Ortswechsel durch Bewegung und eine kleine Veränderung am Kostüm - denn das Stück rast an einem vorbei. Das stellte unseren Ausstatter Florian Bänsch anfangs vor die große Herausforderung: Wie schaffen wir das in der Schnelle der Zeit? Das Älterwerden der Schwestern wird bei uns beispielsweise durch eine Veränderung des Kragens, den sie auf ihren Kleidern tragen, dargestellt.

Die Geschwindigkeit der Reise wird angedeutet durch Bewegung. Wir verfügen im Studio, in unserem Bühnenbild, über eine Drehbühne, sodass wir die Geschwindigkeit der Reise durch Bewegungen andeuten. Wenn ein Ortswechsel vorgenommen wird, sehen wir die Schwestern oft noch mit einer Jacke über dem Kleid bekleidet und einem Koffer in der Hand. Sodass wir mit wenigen Schritten eigentlich durch Amerika und dann eben auch nach Übersee gehen. Mir war es wichtig, dass zu erkennen ist, dass die Mädels viel auf der Reise und unterwegs waren.

Krause: Sie sagten es bereits: Das Stück hat ein unglaubliches Tempo. Nun ist nicht ganz klar, in welche Schublade man es stecken kann. Ist es Revue? Liederabend? Biographie-Musical?

Jesgarz: Es ist sehr schwer einzuordnen. Die Autoren haben das Leben der drei Schwestern komplett auf den Kopf gestellt und sehr gut recherchiert. Unheimlich viele Textpassagen sind tatsächlich originale Zitate, nicht nur der drei Schwestern, sondern auch von Menschen aus ihrem Umfeld. Und je tiefer man in die Biografie der Schwestern eintaucht, umso deutlicher wird eigentlich, dass den Autoren hier ein sehr genaues Abbild der Schwestern gelungen ist. Scheinbar oberflächliche Szenen bekommen plötzlich eine Tiefe, die man beim ersten Lesen so gar nicht dahinter vermutet. Und das macht das Stück einerseits so spannend aber andererseits auch so kompliziert.

Es ist Revue, es ist Musical, es ist Drama, es ist Komödie. Es ist eine Mischung aus all diesen Gattungen und das macht das Stück spannend.

Regisseur Karsten Jesgarz

Regisseur Karsten Jesgarz


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