Neu am Theater Hof: Yvonne Prentki

Die meisten Kinder füttern ihren CD-Player mit Kinderlieder-CDs oder Hörspielen von Bibi Blocksberg bis zu den Drei Fragezeichen. „Bei mir war das anders: Kaum konnte ich den CD-Player bedienen, habe ich alle Klassik CDs meiner Eltern rauf und runter gehört und mir dazu Kostüme und Geschichten ausgedacht!“, bekennt Yvonne Prentki mit einem Schmunzeln. Es folgen Klavier- und Ballettunterricht ab der Einschulung, später Kinderchor und schließlich klassischer Gesangunterricht an der Musikschule Hilden – einem Vorort von Düsseldorf und Yvonne Prentkis Heimat. 

Nach wenigen Gesangsstunden beschließt die Sopranistin, ihre Berufung zum Beruf zu machen – seit Beginn der Spielzeit 2019/20 ist sie festes Mitglied des Musiktheater-Ensembles am Theater Hof, nachdem sie vorher bereits in „Traumspiel“ und „Alcina“ auf der Hofer Bühne stand. Zuvor hat sie ihr Studium nach Hannover geführt, bevor sie freischaffend unter anderem in Hildesheim, München, Dijon und Osnabrück zu erleben war – oft in Konzerten und im Bereich Kindertheater.

Doch zurück zu ihren Wurzeln. Ihr erstes großes Bühnenerlebnis hatte die junge Sopranistin mit neun Jahren, als ihre Ballettschule eine Einstudierung in der Düsseldorfer Oper aufführen durfte. „Vorher war ich noch nie in der Oper – und dann habe ich das Theater direkt von der Bühne aus kennengelernt und kam nicht mehr davon los“, erinnert sich Yvonne Prentki. Zum Zeitpunkt, zu dem sie sich entschließt, klassischen Gesang zu studieren, hat sie noch nie eine komplette Oper gesehen. Das ändert sich erst, als ihr Vater sie in Warschau mit in „Eugen Onegin“ nimmt.

Heute wäre ein Leben ohne Oper und Operette für Yvonne Prentki nicht mehr denkbar. In „Orpheus und Eurydike“ und der „Zirkusprinzessin“ war sie in dieser Spielzeit bereits auf der Hofer Bühne zu hören und zu sehen. „Da konnte ich als Koloratursopranistin noch nicht viel von meinem eigentlichen Fach zeigen, aber ich bin total froh, dass ich in Hof als Sängerin aufgebaut werde“, erklärt Yvonne Prentki. In wenigen Tagen folgt mit der Opern-Rarität „Stallerhof“ ihre nächste Premiere. In Gerd Kührs Oper, die auf dem gleichnamigen Theaterstück von Franz Xaver Kroetz basiert, spielt sie die behinderte Tochter Beppi, die nicht nur unter der Ausgrenzung ihrer Umgebung leidet, sondern außerdem von Knecht Sepp vergewaltigt wird.

„Ich finde es interessant, mal sowas Ernstes und Dunkels zu spielen und wichtig, sich den Herausforderungen zu stellen und so ein Werk aufzuführen. Immerhin ist es auch die Aufgabe der Kunst, Dinge zu thematisieren, die im Verborgenen passieren. Davor sollten wir nicht die Augen verschließen, als gäbe es das alles nicht. Die Auseinandersetzung damit führt zu mehr Verständnis und Menschlichkeit, sodass Betroffene sich mehr verstanden und aufgefangen fühlen“, so Yvonne Prentkis Gedanken zu „Stallerhof“. 

Aus ihren Worten spricht auch ihre zweite große Leidenschaft: Die Psychologie. Begleitend zu ihrem Hofer Engagement macht sie gerade die eineinhalb Jahre dauernde Coaching-Ausbildung und möchte zusätzlich als Musiker-Mental-Trainerin arbeiten. 

Obwohl sie sich selbst als Großstadtmensch bezeichnet, fühlt sie sich in Hof sehr wohl – vor allem am Theater: „Man wir getragen und unterstützt und kann sich einbringen. Der Umgang am Haus und die Unternehmenskultur sind hier sehr besonders – deshalb bin ich sehr dankbar hier sein zu dürfen!“, schließt Yvonne Prentki strahlend.

Text: Christine Wild

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