Thailändischer Botschafter zu Gast

von links: Regisseur Lothar Krause, S.E. Botschafter Nadhavathna Krishnamra und seine Frau, Komponist Somtow Sucharitkul

Der Königlich Thailändische Botschafter Nadhavathna Krishnamra und seine Frau sind extra aus Berlin nach Hof gekommen, um die vorletzte Vorstellung der aufrüttelnden Oper "Helena Citrónová" mitzuerleben. Es war dem Botschafter ein großes Anliegen, die erste deutsche Produktion eines Werks des thailändischen Komponisten Somtow Sucharitkul zu sehen, der ebenfalls ein weiteres Mal aus Thailand angereist war, um bei den beiden letzten Vorstellungen seiner Oper dabei zu sein. Darüberhinaus sei auch die Thematik des Stücks für ihn wichtig, betonte Nadhavathna Krishnamra gegenüber dem Regisseur Lothar Krause, der die Ehrengäste im Theater Hof begrüßte.

Am 29. Oktober fand die europäische und deutschsprachige Erstaufführung der Oper "Helena Citrónová" in Anwesenheit des gefeierten thailändischen Komponisten Somtow Sucharitkul statt. Er war tief berührt von der Produktion in der Inszenierung von Lothar Krause, der Ausstattung von Annette Mahlendorf und unter der musikalischen Leitung von Ivo Hentschel. Der tosende Applaus bei der Premiere hielt über zehn Minuten lang an. Unter den zahlreichen Gästen waren neben Abonnenten und Pressevertretern aus aller Welt auch Zuschauerinnen und Zuschauer, die extra aus der Schweiz, den Niederlanden und den USA angereist sind.

Am Sonntag, 20.11. um 18.00 Uhr war die vielbeachtete Produktion zum letzten Mal zu erleben.

--->>> Trailer

--->>> FOTOS der Produktion

Als besonderer Service, um dem Stück noch besser folgen zu können, steht das Textbuch zur europäischen und deutschsprachigen Erstaufführung von HELENA CITRÓNOVÁ am Theater Hof zum Download zur Verfügung.
--->>> Textbuch

Europäische Erstaufführung – was bedeutet das für das Theater Hof? „Es ist etwas sehr Besonderes, das Werk eines Komponisten aufzuführen, dessen Werke in Deutschland noch nie produziert wurden“, erklärt Regisseur Lothar Krause. Bei „Helena Citrónová“ liegt eine weitere Besonderheit darin, dass sich ein thailändischer Komponist, der mit der deutschen Geschichte nicht verbunden ist, eines speziellen Themas annimmt: Der unglaublichen, aber wahren Geschichte zwischen der slowakischen Jüdin Helena Citrónová und dem SS-Aufseher Franz Wunsch im Konzentrationslager Auschwitz, eine zerbrechliche Illusion von Normalität in einer unerbittlichen Welt. Komponist Somtow Sucharitkul sah in einer BBC-Dokumentation Interviews mit Helena Citrónová, und der Stoff ließ ihn nicht mehr los.

„Als Thailänder hat er keine Berührungsängste mit dem Thema“, so Lothar Krause. Musikalischer Leiter Ivo Hentschel ergänzt: „Somtow Sucharitkul hat darüber hinaus auch keinerlei Vorbehalte im Umgang mit den europäischen Kompositionstechniken. Er nutzt Elemente von Kunstlied bis Zwölfton-Reihen sowohl nebeneinander als auch in Collagen, vollkommen vorbehaltlos.“ Dabei spielt die Sprache eine zentrale Rolle, weshalb die Oper am Theater Hof – erstmals überhaupt seit der englischsprachigen Uraufführung an der Siam Opera in Bangkok vor zwei Jahren - in einer eigens angefertigten deutschen Übersetzung zu sehen sein wird. Die Worte sind oft sehr hart, um möglichst authentisch die Atmosphäre Auschwitzs, einem der schlimmsten Orte der Welt, abzubilden. Dabei erzählt die hochemotionale Musik, was man sich als Publikum an Menschlichkeit wünscht im Gegensatz zu den harten Worten.

„In „Helena Citrónová“ geht es um Menschlichkeit. Es wurde wahnsinnig viel über Terror und Brutalität in Auschwitz geschrieben, aber kaum etwas über Menschlichkeit. Sucharitkuls Werk stellt Fragen, auf die es aber keine Antworten gibt: Was genau war das für eine Liebe zwischen Helena Citrónová und Franz Wunsch? Hat die Liebe aus dem SS-Mann einen besseren Menschen gemacht? Und aus Helena eine Verräterin? Hat diese Verbindung Leben gerettet oder nur die Leiden der Überlebenden verlängert?“, so Lothar Krause. Daher war für Inga Lisa Lehr, die die Titelrolle singt, auch die Beschäftigung mit der realen Person Helena Citrónová sehr wichtig.

Auch für Annette Mahlendorf, die Bühnenbild und Kostüme entworfen hat, spielt die Realität eine große Rolle. „Wir wollten authentisch, aber auch respektvoll sein.“, so Lothar Krause. Statt die damalige Schreckenskulisse nachzubauen, entschieden sich der Regisseur und die Ausstatterin eher das Gefühl des „Eingesperrtseins“ nachzubilden. Wobei jedoch bei den Kostümen nicht auf die damalige Realität verzichtet werden konnte.

Die Oper lässt viele Fragen offen und endet in Dur und Moll gleichzeitig – eine Auflösung fehlt. Doch trägt die Musik, die Somtow Sucharitkul komponiert hat, über Grauen und Brutalität hinweg: „Es ist so, als würde die Musik einen in den Arm nehmen und trösten, sonst wäre die extreme Emotionalität vermutlich unerträglich“, beschreibt Lothar Krause.

Unsere neunteilige Teaser-Serie vermittelt einen Überblick über die Geschichte Helena Citrónovás und einen Eindruck der hochemotionalen Musik von Somtow Sucharitkul.

Folge 1Folge 6
Folge 2Folge 7
Folge 3
Folge 8
Folge 4
Folge 5

<< zurück