"Bruder Eichmann" im Studio

Grundlage für das Dokumentarstück „Bruder Eichmann“ von Heinar Kipphardt sind die Verhörprotokolle Adolf Eichmanns. „Ich denke, Kipphardt ging es darum zu fragen, wie so viele Menschen damals mitmachen konnten. Wie Leute, denen man es überhaupt nicht zugetraut hätte, zu Massenmördern werden konnten. Wir wissen heute, dass es offensichtlich nur sehr wenig braucht, um Menschen an den Punkt zu bringen, andere Menschen umzubringen. Eichmanns Charakter war offensichtlich so beschaffen, dass es ihm gereicht hat, sich zu sagen: Der Chef hat gesagt, ich soll die Züge nach Auschwitz leiten, wo die Gaskammern stehen. “, so Regisseur Thomas Schindler. Laut Schindler war Eichmann kein Mensch, der Fliegen die Beine ausgerissen hätte. Er war ein Listenarbeiter. Ein Buchhalter. Buchhalter des Todes zwar, aber erschreckend durchschnittlich und „normal“. Ausstatterin Annette Mahlendorf hat eine LED-Wand geschaffen, auf die das Gesicht Eichmanns – gespielt von Publikumsliebling Ralf Hocke – fast durchgängig übergroß projiziert wird. „Als ich das Stück gelesen habe, habe ich mir immer vorgestellt, Eichmann ist ein Hase, der Haken schlägt. Er weicht immer aus, stellt sich nie der Verantwortung. Den muss man irgendwie festnageln. So bin ich auch auf die Idee gekommen mit der LED-Wand. Zum einen kann der Schauspieler so nicht entkommen, jeden Gedankengang sieht man in groß auf der Leinwand, kann ihn nachvollziehen. Zum anderen wird der Zuschauer auch nicht in private Gedanken entlassen, er muss einfach immer diesen Eichmann sehen, kann sich ihm nicht entziehen, ihn verdrängen.“, erklärte Annette Mahlendorf.

Vorstellungen im Studio:
Freitag, 9. Dezember um 19:30 Uhr
Sonntag, 11. Dezember um 19:30 Uhr
Samstag, 7. Januar um 19:30 Uhr
Sonntag, 22. Januar um 19:30 Uhr

Kostenlose Einführungsvorträge jeweils um 18.45 Uhr.

Karten: www.theater-hof.de/karten

Mit dem Mini-Abo Zyklus „Wider das Vergessen“ machen wir auf die Gräuel des Nationalsozialismus und deren unzählige Opfer aufmerksam, denn diese menschenverachtenden Taten dürfen nie in Vergessenheit geraten. 80 Jahre nach dem grausamen Höhepunkt der Machenschaften des nationalsozialistischen Regimes blicken wir auf Täter, Opfer und Widerstandskämpfer. Wer sich entscheidet, den kompletten Zyklus „Wider das Vergessen“ zu besuchen, spart dabei etwa 35 % des durchschnittlichen Kartenpreises für eine Vorstellung im Großen Haus und zwei Vorstellungen im Studio. Zum Preis von insgesamt nur 49 Euro sehen Sie jeweils eine Vorstellung der Oper „Helena Citrónová“, der Studio-Oper „Die Weiße Rose“ und des Sprechtheaters „Bruder Eichmann“. Die Karten sind nicht übertragbar.

 

 

 

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