Abgrund

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von Maja Zade

Zum ersten Mal am Theater Hof!

PREMIERE Samstag, 12. November 2022
Großes Haus

Eine Wohnung in Berlin, eine Einladung zum Abendessen. Man plappert über gemeinsame Bekannte, produziert sich mit politischen Ansichten, lobt Filme und die eigenen Konsumentscheidungen. Wer hat die beste Geschichte, den schockierendsten Klatsch oder Spezialwissen über Popkultur, Kunst, Design oder Politik? Die Sechs sind Angehörige der „Latte Macchiato-Fraktion“, Angehörige einer auf Selbstverwirklichung getrimmten Generation, erbbegünstigte Mittdreißiger. Sie spreizen sich in ihrer Individualität. In Wahrheit sind sie so konform wie stumpf. Keine Plattitüde ist vor ihnen sicher. Alle Themen haben den gleichen Wert im Lifestyle-Geplauder, weil es nicht darum geht, sich in Themen zu vertiefen, sondern um den eigenen Marktwert. Und im Kinderzimmer, schlafen friedlich die beiden Töchter des Gastgeberpaares. Während die Erwachsenen ohne Sinn und Verstand über alles hinwegplaudern, geschieht dort ein großes Unglück. Eine Tragödie geradezu biblischen Ausmaßes, die der lebenslänglichen Höchststrafe für alle Beteiligten gleichkommt. Die Reaktion ist Schockstarre, bodenloser Small Talk, Verdrängung…

Maja Zade zeigt die Oberflächlichkeit einer ökonomisch abgesicherten Schicht, ihre Selbstzufriedenheit, ihre Wohlstandsverwahrlosung. „Abgrund“ ist ein Ritt durch die ebene Gefühlslandschaft des zeitgenössischen Großstadtlebens. Und zerschlägt dann die spiegelglatte Oberfläche mit einem einzigen Schicksalsschlag. Die Figuren haben den Kontakt zum Tiefen verloren, zum Unverständlichen, zum Leid. Der Autorin gelingt mit ihrem zweiten Stück ein wirkliches „well-made play“. Es gibt schnelle, treffsichere Zeilen wie in einem guten Rap-Song. Das ist unsere Zeit. So leben wir.


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