Fensterflächen, die den Himmel einfangen
theater hof- Weit über die Kulmbacher Straße hinaus ragt der Bühnenturm des neuen Theaters. Er ist fast von der ganzen Stadt aus zu erblicken. 28 Meter hoch ist der Monolith der Künste, der den Kern des 156 Meter breiten und 76 Meter tiefen Gebäudes bildet. Ein das Sonnenlicht reflektierender Glasbogen umspannt fast spielerisch den Quader, unter dessen Dach sich die Bühne und ihre Obermaschinerie verbirgt. Läuft man durch den großzügigen Theaterpark auf das Gebäude zu, scheinen die schräggestellten und mit dem Boden abschliessenden Fensterflächen den Himmel einzufangen. Das einem Flugzeugflügel nachempfundene Dach scheint die Winde in das Theater leiten zu wollen. Mag der Eindruck des Betrachters zunächst auch skeptisch sein, so zeigt sich gerade im inneren des Foyers das gelungene Bemühen des Architektenteams Auer + Weber mit Bitcher-Zeits, diesen Bau transparent zu halten. Hier wirkt vieles von innen nach außen, gewährt ungewöhnliche Einblicke und macht oft die Funktion eines Objektes zu einem ästhetischen Erlebnis. Der Zuschauer soll Theater, mehr als bisher, erleben, erspüren, er darf entdecken. Hier wirken Materialien nicht als bloße Zweckerfüllung, sondern werden sinnlich wahrnehmbar.

Der Weg führt zunächst über eine rechteckige Ausschachtung im Boden. Hier führt eine Leuchtschrift-Installation des international renommierten Künstlers Joseph Kosuth den Besucher mit einem Goethe-Zitat in das Theater. Auf dem 30 Meter langen Spruchband kann man lesen: "Genau aber genommen, so ist nichts theatralisch, als was für die Augen zugleich symbolisch ist, eine wichtige Handlung, die auf eine noch wichtigere deutet." Es fordert uns auf, aufmerksam zu sein, und läßt neugierig werden.

Lichte Gestaltung auf drei Ebenen - Das Foyer hat drei Ebenen und besticht vor allem durch seine lichte und offene Gestaltung. Im hinteren Bereich schließt die Studiobühne an, die bei Nichtbespielung in der Pause auch als Bistro genutzt werden kann.

Ein Fahrstuhl garantiert den problemlosen Zugang für behinderte Zuschauer - so, wie im Zuschauerraum auch Plätze für Rollstuhlfahrer kurzfristig eingerichtet werden können. Im Parkett befinden sich zudem Plätze mit einer Schwerhörigenschleife (bitte an der Kasse anmelden).

Der Zuschauerraum
bietet 567 Personenkomfortablen Platz mit guten Sichtmöglichkeiten von allen Plätzen. Besonders hier zeigt die Auswahl der Farben (rote Türen, blaue Wände, blaue Sitze, goldene Schallsegelverkleidung) und Materialien den eindeutigen Stil der Architektur - sicherlich gewagt, doch auch beeindruckend schön und darüber hinaus, so darf man vermuten, richtungsweisend.
Die Bühne - Zur besseren Erläuterung ist hier die Aufrißzeichnung eines Bühnenturms abgebildet.
Die Hauptspielfläche wird von vier Bühnenpodien (12 x 2,50 m) gebildet. Die Podien besitzen schrägstellbare Gedecke mit deren Hilfe ein schräger Bühnenboden von null bis zehn Prozent Neigung eingerichtet werden kann. Herausnehmbare Bodentafeln (sieben Stück pro Podium) gestalten Unterbühnenauftritte. Eine Art Personenaufzug (auch Personenversenkung) läßt effektvolles "Auftauchen" oder "Verschwinden" zu. Der Orchestergraben liegt vor dem Schutzvorhang. Bei hochgefahrenen Orchesterpodien entsteht eine Vorbühnenfläche, die bei anderen Veranstaltungen als Podium genutzt werden kann. Der hintere Teil des Orchestergrabens ist überbaut. Es entsteht eine feste Rampe. Davor liegen zwei Orchesterpodien.
Das erste Orchesterpodium ist als Doppelstockpodium ausgeführt. Klappbare, in der Neigung veränderbare Reflektoren an der Vorderkante der Rampe sollen in Verbindung mit einer Tieferlegung des hinteren Grabens bei bestimmten Musikstücken eine besondere Klangmischung bewirken. Schwenk- und drehbare Wandelemente vor der Orchestergrabenrückwand, mit einer reflektierenden und einer absorbierenden Oberfläche, erweitern die raumakustischen Möglichkeiten. Der Graben bietet mit insgesamt 118 qm Grundfläche 56 Musikern ausreichend Platz. Die Unterbühne ist eingeschossig, die Gesamttiefe in der Bühnenachse beträgt 76 m.
theater hofSeiten- und Hinterbühnentore sind als Schallschutztore ausgebildet, damit vorbereitende Arbeiten parallel zum Spielbetrieb möglich sind. Beide Nebenbühnen haben direkte Verbindungen zu den Kulissenmagazinen. Für den Auf- und Abbau stehen auf der Seitenbühne vier und auf der Hinterbühne sieben Züge zur Verfügung. Das Bühnenportal hat eine Öffnung von 10 m Breite mal 6 m Höhe. Die Schnürbodenhöhe beträgt 21,54 m über dem Bühnenboden. Im Bühnenturm befinden sich drei Arbeitsgalerien mit Verbindungsstegen, die ideale Arbeitsbedingungen für Bühnen- und Beleuchtungstechnik bieten. Die Obermaschinerie besteht aus 28 handbetätigten Prospektzügen, elf Maschinenzügen und fünf sogenannten Punktzugreihen mit je vier verschiebbaren Punktzügen. Durch Computertechnik ist eine Einmannbedienung möglich.
Die Form der "Guckkastenbühne" hat vor allem den Sinn, daß die Bühnenmaschinerie, deren Bewegungen und Geräusche die Konzentration des Zuschauers auf die eigentliche Vorführung stören würden, verdeckt bleiben. Das für die Guckkastenbühne entscheidende Bauteil, das die technischen Vorgänge hinter der Bühne "wegblendet", ist das Bühnenportal, auch Portal-Rahmen genannt. Der Portalrahmen des Theaters Hof ist - -ähnlich wie eine Art Passepartout - veränderbar und kann zusätzlich als Gestaltungsmittel eingesetzt werden.
Modernste Aufführungstechnik schlägt Freiräume für die künstlerische Entfaltung - Gerade in den technischen Abteilungen des alten Theaters Hof war Kreativität nicht nur ein künstlerisches Moment - Widrigkeiten begrenzten oftmals die Darstellungsmöglichkeiten; durch großen Einfallsreichtum und höchste Flexibilität erschuf das Team um Intendant Röttger oftmals beeindruckende und außergewöhnliche Szenerien. Der neue Apparat läßt fast keine Wünsche offen. Der aktuelle Standard moderner Aufführungstechnik konnte berücksichtigt werden und bietet der Kunst Freiräume, die dann letztendlich auch dem Besucher ein ganz besonderes Theatererlebnis ermöglichen sollen.

Die Bühnenbeleuchtungsanlagen gehören heutzutage ebenso wie die Audio- und Videoanlagen zu den wichtigsten Gestaltungsmitteln der Bühnentechnik. Ton und Licht schaffen Athmosphären, die weit über das Tag- und Nacht-Spektrum oder ein Hundegebell und ein Türklingeln hinaus gehen. Durch diese hochaufwendigen Gestaltungsmittel wird die unmittelbare sinnliche Erfahrung Theater noch verstärkt.

Die Steuerung der Lichtanlage, auch Stellwerk genannt, deren "Kommandozentrale" sich links im oberen Rang befindet, erinnert vielleicht ein wenig an das Cockpit eines Jumbojets. Dahinter versteckt sich auch ein großer Computer, ohne dessen Rechnerkapazität nichts mehr gehen würde. Die Anlage im Theater Hof gehört zu den besten, die es auf dem Markt gibt. Die Anlage steuert 186 regelbare und 39 schaltbare Stromkreise. Alle Anschlußdosen sind für 5 kW-Regelkreise ausgelegt. Im Zuschauerraum sind 64, im Bühnenbereich 122 Stromkreise installiert.

Die Scheinwerfer (auch hier gibt es zahlreiche Unterschiede, die sich vor allem in Reichweite, Fokussierung, Lichtstärke und Lichttonwerten zeigen) sind, wie wir entdecken können, überall versteckt. Die meisten Scheinwerfer, von den Technikern oft liebevoll "Töpfe" genannt, befinden sich in der Portalbrücke, also über der Bühne und in den Türmen links und rechts der Bühnenöffnung. Weitere Geräte entdecken wir verteilt im Bühnenhaus, auf den sog. Galerien (Stockwerke im Bühnenturm), an Beleuchtungszügen und im Oberlicht, hinter dem Publikum, an den Seiten des Vorbühnenbereiches (in den sog. Proszeniumstürmen) und über dem Zuschauerraum (die Z-Brücken).

Um die neuen Dimensionen mit denen des alten Hauses zu vergleichen, genügt es zu erwähnen, daß das Stellwerk des Hauses in der Schützenstraße jetzt für die Studiobühne eingesetzt wird. Mag bei Vorstellungen im nun leerstehenden Theater "um die Ecke" mal ein Künstler im Dunkeln verschwunden sein, so lag das sicherlich nicht an den Fähigkeiten der Beleuchter, sondern schlicht daran, daß dort kein Scheinwerfer hinreichen konnte.

theater hofLichtzeichen koordinieren die Vorstellung - Die Beschallungs- und Effektanlagen entsprechen mittlerweile den Qualitätsstandards der Rundfunkanstalten. Die Digitaltechnik ermöglicht Dinge, die vor einigen Jahren undenkbar waren. Das Tonmischpult (auch PA genannt, sprich: Pie-Äi) ist für 24 Eingänge, acht Gruppen und zwei Summenausgänge ausgelegt. Die Anlage besitzt eine digitale Kreuzschiene, die vielfältige Kombinationen von Effektgeräten untereinander erlaubt. Zur Beschallung befinden sich neben den sichtbaren Boxensystemen über und links und rechts der Bühnenöffnung weitere Beschallungskörper im Hinter- und Seitenbühnenbereich. Beim Blick in die Trickkiste dieser modernen Bühne darf nicht vergessen werden, daß all dies ohne das große und spezielle Fachwissen der Menschen, die vom Publikum nicht gesehen werden, undenkbar wäre. Bei einer Vorstellung sind oftmals bis zu 30 Personen während des Spielbetriebes mit besonderen Aufgaben hinter der Bühne beschäftigt. Einer der wichtigsten Jobs während des Vorstellungsablaufes ist der des Inspizienten. Er "steuert" und koordiniert alle vorher in den Proben einstudierten Abläufe. Von seinem Inspizientenpult aus hat er durch ein Mikrophon und Lichtzeichen Kontakt zu den Einlaßdamen, zu allen Künstlergaderoben, zur Lichtregie, zur Tontechnik, zur Bühnentechnik, im Falle des neuen Theaters Hof auch zum Steuerungssystem der Maschinenzüge - und bestimmt so durch spezielle Kommandos den reibungslosen Ablauf der Vorstellungen.

Das Inspizientenpult befindet sich seitlich, direkt hinter dem Bühnenportal. Eine elektronische Kamera überwacht die Vorgänge auf der Vorderbühne und anderen verdeckten oder verstellten Spielflächen, so daß der Inspizient über einen Monitor Einsicht hat. Zu einer Musiktheateraufführung hat er so auch einen Sichtkontakt zum Dirigenten.

 

 
 
 
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