On the Rock(s)!

A PLAY WITHOUT WORDS

Musikdramaturg Lothar Krause im Gespräch mit Autor und Choregraph Kurt Schrepfer

Krause: „On the Rock(s)!“ ist ein von Ihnen speziell für das Theater Hof entworfener Tanzabend. Das Rock-Ballett an sich ist mittlerweile etabliert und erfreut sich großer Beliebtheit. Sie versuchen mit Ihrem Tanzstück aber auch etwas ganz Neues.

Schrepfer: Ich habe für das Theater Hof ein Tanzstück mit einer „kleinen“ Geschichte entwickelt. Es ist relativ schwierig, komplizierte Inhalte zu vertanzen, deswegen habe ich einen Ort gesucht, wo sich Leute begegnen und verschiedene Charaktere aufeinandertreffen. So bin ich auf die Idee einer Bar gekommen – mit Barbesuchern und dort arbeitenden Leuten, im Prinzip Menschen, die ihr Leben dort verbringen.

Ich habe versucht, Musikstücke zu finden, die für diese verschiedenen Situationen, die sich dort ergeben, stehen. Der Titel des Songs soll auch immer ein wenig das aussagen, was die Szene erzählt. Beispielsweise beginnt die Geschichte mit Putzfrauen, die eine Münze auf dem Boden finden. Sie werfen diese in die Wurlitzer Musikbox, wodurch das eigentliche Stück beginnt. Die Musik kommt aus der Musikbox und dadurch fangen die Putzfrauen an, nach dem Song zu tanzen und sind viel begeisterter beim Putzen als zuvor. Und so ergeben sich viele kleine Geschichten, die sich dann zu einem großen Ganzen zusammenfügen.

Krause: Demnach also kein klassischer Tanzabend, an dem die Choreographien in der Hauptaufgabe die Musik illustrieren?

Schrepfer: Nein. Der ganze Abend läuft entlang eines roten Fadens, der das Ganze dramaturgisch zusammenhält. Es beginnt am späten Nachmittag in einer Bar und hört mit der Sperrstunde auf. Leute kommen, Leute gehen, und es entstehen verschiedene Beziehungen und Situationen zwischen den Figuren. Die einzelnen Songs, die getanzt werden, haben jedoch auch wieder eigene kleine Geschichten. Beispielsweise gibt es den Song „And So It Goes“ von Billy Joel, der wie ein Gebet aufgebaut ist (Billy Joel allein am Klavier) – in unserer Arbeit ist dieses Lied auch ein intimes Gebet einer Frau geworden, die dann auf die Phrasen dieser Musik tanzt.

Krause: Mir scheint, der Tänzer ist darstellerisch mehr gefordert als an einem herkömmlichen Ballettabend.

Schrepfer: Ja. Für mich ist es ein „play without words“ (ein Schauspiel ohne Worte). Man könnte es auch „choreographiertes Schauspiel“ nennen. Den Tänzern steht nicht die Sprache als Ausdrucksmittel zur Verfügung, sondern sie vermitteln sich durch Bewegungen.

Krause: Sie verwenden nicht nur ein buntes Spektrum an Rock- und Popmusik, sondern auch viele verschiedene Tanzstile.

Schrepfer: Ich habe mit den Tänzern und ihren wechselnden Charakteren versucht, sehr individuell zu arbeiten, so erhielt jede Figur andere Bewegungsabläufe. Dadurch verwenden wir eine große Breite an verschiedenen Stilen - beispielsweise Steppen, Contemporary Modern, Jazz, ein wenig Hip Hop, Quickstepp, Jive, aber auch Spitzentanz – eben um die Aussage der Charaktere zu stützen.


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